Wa(h)renwert in unserem Umfeld – Der Verein feld

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Kennt ihr das auch? Ungenutzte Dinge – Sachen, Lebensmittel etc, die einfach ungenutzt bleiben? Doch was bei dem einen ungenutzt ist, kann von einem anderen genutzt werden und somit Wert erhalten. Und genau darum geht es hier: die Nutzung von Ungenutztem und die Sensibilisierung von Wa(h)renwerten.

Im Herbst letzten Jahres hatten Claudia Sacher und Luzia Dieringer die Idee, etwas „Eigenes“ zu gestalten. Beide hatten beruflich gerade etwas Luft und waren motiviert ein Projekt auf die Beine zu stellen – ein Projekt, bei dem sie mit Herzblut dabei sind und wodurch ein Netzwerk an sozialen Kontakten entsteht.
Herausgesprungen ist ein Verein, der auch mal zum Nachdenken anregt und Bewusstsein für das eigene Umfeld schafft: feld – Verein zur Nutzung von Ungenutztem.

feld – Entstehung
Nach viel bürokratischem Aufwand, Statutenformulierungen, behördlichen Hin und Her und jeder Menge Vorschriften, gründete sich der Verein offiziell am 17. Dezember 2014 und ist seitdem am Wachsen und Gedeihen. Angefangen hatte alles bei einer Kartoffellernte in Mieming. Claudia und Luzia sind nach maschineller Ernte per pedes das feld abgelaufen und haben die übrigen Kartoffeln, die der Traktor nicht verschluckt hat, mit den Händen aufgesammelt. Das war so viel, dass es kaum zu tragen war.

Und genau so funktioniert’s: Der Verein kümmert sich darum, dass – in diesem Fall Projekt 1.0 Lebensmittel, quasi das erste feld von vielen umzusetzenden feldern in der nahen Zukunft – ungenutzte Lebensmittel, die sonst womöglich verfaulen oder weggeschmissen werden genutzt und v.a. haltbar gemacht werden, sodass diese gegebenenfalls auch in einer für die spezifischen Lebensmittel unüblichen Jahreszeit noch zu genießen sind. Beispielsweise können regionale Erdbeeren in Form einer Marmelade auch im Winter bei minus 10 Grad verspeist werden.
Ein anderes Beispiel ist das Pflücken von Äpfeln, deren Besitzern die Zeit fehlt, das Obst zu ernten und die froh sind, wenn engagierte Menschen diese unter die Leute bringen und verteilen.
Da Claudia und Luzia diese Arbeit nicht alleine bestreiten können, wurde eben der Verein gegründet. Jeder der möchte, der sich mit der Idee identifizieren kann, intrinsisch motiviert ist und einfach Lust und Zeit hat ist herzlichst willkommen mitzuhelfen. Gemeinsam, weil’s einfach mehr Spaß macht, ungenutzte Ressourcen zu entdecken, zu sammeln, zu verwandeln und weiterzugeben.

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feld – Arbeit: Sammeln, Verwandeln und Weitergeben
Sammeln: Der Verein braucht genau das, was sonst kein anderer braucht, vergisst oder nicht der Norm entspricht. Beispielsweise erzählt Luzia, dass sie von einem Bauern in Ampass, der Supermärkte beliefert, Rote Rohnen (Rote Beete) bekommen haben, da diese zu groß für den Einzelhandel sind – ein gefundenes Fressen. Sind die ungenutzten Ressourcen gesammelt, werden sie nutzbar gemacht, indem sie verwandelt werden.

Verwandeln: Ist das ganze Obst und Gemüse zusammen getragen, werden diese gemeinsam eingekocht – eingekocht deswegen, da so die Lebensmittel haltbargemacht werden. Hierzu gibt es viele Möglichkeiten: Marmelade, Apfelmus, Chutney, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Im wahrsten Sinne des Wortes: von Erdäpfel-Mohn-Marmelade bis hin zum Rote Rohnen Chutney ist alles dabei.

Weitergeben: Sind diese Spezialitäten in Gläser abgefüllt und etikettiert, werden sie an die Frau oder den Mann gebracht. Entweder über die Verteilerstellen in der Bäckerei Kempf und im Gleim, oder aber einfach über persönliche Kontakte der Vereinsmitglieder. Der Transport findet ganz klimaneutral mit dem vereinseigenen Lastenrad, einem alten gelben Postfahrrad, statt.
Jeder darf sich bedienen und gegen eine kleine Spende jederzeit ein Glas mitnehmen. „Das ist gar nicht so leicht“, erzählt Luzia. Immer wieder wird sie gefragt, wie viel man denn so gebe, es sei so schwer einzuschätzen. Und genau das will der Verein unterstützen, nämlich, dass man sich über die Produkte Gedanken macht, man sich überlegt: Wie viel ist das Glas Marmelade oder Chutney wert? Wie viel ist MIR es wert? „Jeder weiß, wie viel ein Glas im Supermarkt kostet oder weiß wie aufwändig es ist, Marmelade selbst zu erzeugen: die Früchte müssen gesammelt, gewaschen, geschnitten, gekocht werden und so weiter“, erzählt Luzia. Darüber wird man sich bewusst, wenn man selber aktiv über den Preis entscheiden kann. Es geht hier um den Wa(h)renWert: Den wahren Wert der Ware.

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feld – Visionen
Die Idee ist, unbeschwert und ganz nebenbei die Menschen für ihr Umfeld zu sensibilisieren: was isst du, wie bewegst du dich und was konsumierst du allgemein – und zwar ohne erhobenen Zeigefinger, das ist Claudia und Luzia sehr wichtig. Es soll indirekt ein Bewusstsein für den täglichen Konsum geschaffen werden. Der Verein will somit zeigen, dass nicht immer alles neu eingekauft werden muss, sondern, dass man mit bereits vorhandenen Sachen ebenso leckere und schöne Dinge kreieren und produzieren kann, die dann vielleicht auch noch individuell sind und eine Geschichte zu erzählen haben: „Weißt du noch, dass diese Erdäpfel im Glas von dem Bauern aus Mieming kommen, puh, war das anstrengend diese schweren Schubkarren zu schieben…“. Mit solch einer gedanklichen Verknüpfung schmeckt’s doch gleich ganz anders, oder?
Vorhandene Sachen können auch alte Bettlaken sein, die einem auf dem Flohmarkt hinterhergeschmissen werden. Perfekt für den Verein, und Schwupps sind Tragetaschen daraus genäht, in denen man z.B. ganz leicht Chutney und Marmeladengläser tragen kann. Das ist ein weiteres Projekt, das sich Claudia und Luzia vornehmen: upcycling.
Außerdem ist auch Ziel, ungenutzte Lebensmittel nicht nur aus der Umgebung Innsbrucks, sondern direkt aus der Stadt zu beziehen, wie etwa die Apfelbäume in Hötting, die anscheinend keinen wirklichen Besitzer haben. Aber auch ungenutzte Lagerräume will der Verein temporär nutzen. Stehen solche Räume gerade leer, können gesammelte Früchte, leere Marmeladengläser, Kochzubehör oder die eingekochte Ware vorübergehen gelagert werden.

P1190042„Ungenutzt“ muss sich aber nicht immer auf Materielles beziehen, sondern kann auch immateriell sein, wie beispielsweise verborgene Talente. Manche sind handwerklich begabt, üben diese Tätigkeit aber in ihrem Beruf nicht aus. Diese Fähigkeit kann schließlich dem Verein von Nutzen sein, aber nicht nur dem Verein, sondern auch der Person, die es im Verein ausleben kann. Gleichzeitig kann dieses Wissen und Geschick mit anderen Mitgliedern geteilt werden.
Auch die Tatsache, dass die Produkte nur gegen eine freiwillige Spende erworben werden können, verkörpert die Vision: der Verein will sich bewusst von einem kommerziellen Gedanken distanzieren.
Was schließlich ganz zentral und essentiell ist, ist natürlich der gemeinsame Genuss von Lebensmitteln, der Spaß und einfach viele nette Menschen kennen zu lernen und gegenseitig Tipps und Tricks auszutauschen.

feld – betreten und Mitglied werden
Jeder ist im feld – Verein für Nutzung von Ungenutztem sehr willkommen. Der Mitgliederbeitrag beträgt 10 € im Jahr. Es gibt eine Verteilerliste, die über kommende Aktionen informiert. Claudia und Luzia rufen aber auch gerne die Leute an, die kein Internet haben.

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feld – Aktionen
Und natürlich gibt es bereits jede Menge Aktionen, an denen jeder gerne teilnehmen darf. Momentan steht Früchte Einkochen ganz oben auf der Liste, wie das auch am vergangenen Sonntag, 29. März, der Fall war. Im Gleim, in der Mariahilfstraße 26, traf sich der Verein, um Rote Rohnen Marmelade mit Ingwer, Erdäpfel-Mohn Marmelade und Rote Rohnen Salat einzukochen und haltbar zu machen. Ab sofort sind diese Schmankerl im Gleim und in der Bäckerei Kempf gegen eine freiwillige Spende zu erwerben.
Für die nächsten Monate sind noch viele weitere verschiedene Aktionen geplant. Der Verein hat schon jede Menge Ideen für den Frühling und den Sommer. Wenn ihr Interesse habt, einfach mal auf Facebook unter feld – Verein zur Nutzung von Ungenutztem nachschauen oder eine Nachricht an feld-verein@gmx.at.

Fotos: Die Zeitlos

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